Gewohnheiten sind programmierbar


„Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.“ 

Dieser Satz ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Kein Wunder, Gewohnheiten schleichen sich unbemerkt in unser Leben und lassen uns große Teile des Tages auf Autopilot fliegen. 40% sind es laut Wissenschaft (und damit ist nicht Schlaf gemeint!). Das ist gut so – denn wie anstrengend wäre es bitte, wenn wir jeden Handgriff und jede Aktion  überdenken müssten? Gewohnheiten erleichtern uns das Leben. 

Ist damit alles okay? Nee. Denn leider sind nicht alle Gewohnheiten gute Freunde. Die Tüte Gummibärchen im Schreibtisch, die Trägheit, die dich auf der Couch festtackert, das Handygame, das dich vom Buch fernhält – um diese tückischen, gemeinen Verführer geht es hier. Um schlechte Gewohnheiten und wie man sie los wird. 

Ich weiß, es ist alles andere als einfach, sich ausgerechnet etwas abzugewöhnen, das sich verselbständigt hat und unbewusst abläuft. Doch ich würde dieses heiße Eisen ganz sicher nicht anfassen, wenn ich nicht einen Plan hätte, von dem ich überzeugt bin. Eine einfache Strategie, die sich aus wissenschaftlichen Erkenntnissen, empirischen Daten und einer inspirierenden Journalvorlage zusammensetzt. Und die es also wert sein müsste, dass du ihr eine Chance gibst, oder?

Anfangen will ich mit der 66 – eine doppelt spannende Zahl. Denn 66 Tage braucht man, um sich ein Verhaltensmuster anzueignen. Und ebenso dauert es 66 Tage, um es wieder loszuwerden. Zu diesem Resultat kam die Verhaltensforscherin Phillippa Lally in einer Studie aus dem Jahr 2009. 

Wir konzentrieren uns aufs Loswerden. Am eigenen Leib erlebt und einleuchtend dargestellt hat es der New Yorker Times-Journalist Charles Duhigg. Er hatte einen Schokoladenkeks als Gegner: Jeden Tag um 15.30 Uhr ging er in die Cafeteria, aß einen – und als er merkte, dass er ohne nicht konnte, war es zu spät. Da er das Keksritual einfach nicht loswurde, ging er dem Problem auf den Grund und fand den „habit loop“: Das Muster, das jeder Gewohnheit, egal, ob gut oder schlecht, zu Grunde liegt. 

Der „habit loop“ (vielleicht am besten mit „Gewohnheitsschleife“ zu übersetzen) besteht aus drei Phasen:

1) Der Auslöser, der dem Gehirn vorgibt, sich ein Verhalten anzugewöhnen: Zum Beispiel jeden Tag um 15.30 Uhr ein Schokoladenkeks.

2) Die Routine, die den „loop“ auslöst: Pünktlich den Schreibtisch verlassen, in die Cafeteria gehen, den Keks kaufen und während des Verputzens mit den Kollegen plaudern. 

3) Die Belohnung: Das, was das Gehirn mag und beim nächsten Mal als „habit loop“ erinnert. 

Die Sache ist tricky: Bevor uns klar ist, dass der Schokoladenkeks (oder irgendetwas anders) nicht bloß ein Extra ist, das wir uns mal gelegentlich gönnen, sitzen wir in der Falle. Oft registrieren wir nicht, dass solch ein Verhalten längst eine Angewohnheit geworden ist und automatisiert abläuft. Und wenn die Belohnung ausbleibt, fühlen wir ein unangenehmes Defizit (mindestens!). Genau das ist der Grund, warum es uns so schwerfällt, das Verhalten wieder loszuwerden.

Doch wir wissen: Wer eine klare Strategie hat, die den Willen unterstützt und so die ominösen 66 Tage durchsteht, ist die verhasste Angewohnheit ein für alle Mal los. 

Und diese Aussicht macht doch Mut, es auszuprobieren. Oder? 

So könnte die Vorlage im Change Journal helfen:

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